Unsere Agatha-Ausstellung ist Geschichte, eine alles – außer gewöhnliche Geschichte. Wir erzählen sie hier noch ein wenig weiter ...

Beim Festhochamt zum Patrozinium der heiligen Agatha am Sonntag, 8. Febr. 2026 um 09:30 Uhr, brachte unsere Pastoralreferentin Andrea Hinse in ihrer Predigt alles auf den Punkt. Sie schrieb einen Brief an Agatha.
Liebe Agatha,
in den letzten Wochen habe ich sehr viel über dich und dein Leben gelesen, erzählt und gehört. Nun komme ich endlich dazu dir einen Brief zu schreiben und alles zu sortieren.
Ich möchte Dir von Begegnungen und Gesprächen schreiben, die während der Ausstellung: Agatha: alles – außer gewöhnlich! stattgefunden haben. Diese unterschiedlichen Aspekte von Dir, machen noch kein fertiges Bild - aber sie zeigen, wie inspirierend Du noch heute für viele Menschen bist.
Vor 3 Wochen wurde die Ausstellung in Alverskirchen eröffnet und an diesem Sonntag (08.02.2026) wird sie mit einem Konzert um 17 Uhr beendet. Vor 3 Wochen gab es bei der Predigt den Aufruf, sich als Suchende auf den Weg zu Dir liebe Agatha zu machen. Gerne schreibe ich dir von einigen Begegnungen und Gesprächen auf meinem Weg. Eine Besucherin berichtete von ihrer alten, vor einiger Zeit verstorbenen Nachbarin, die deinen Namen trug. Diese Frau schien viel von Dir übernommen zu haben. Die Besucherin erzählte von einer mentalen Stärke und Klarheit bis ins hohe Alter. Ich habe mich gefragt, was wohl aus dir geworden wäre, wenn Du das damals Übliche getan hättest – nämlich den Statthalter Quintianus – der als tyrannisch, rau und hochmütig beschrieben wurde – geheiratet hättest…. – dann würde heute wohl niemand mehr über dich reden. Oder wie wärst Du in der Beziehung gewesen? Hättest du deine Stellung genutzt, um Gutes zu tun? Den Christen zu helfen? Aber für dich war immer klar: keine Spielchen, kein Verstecken. Du hast klar und frei kommuniziert und bist deinen Weg selbstbestimmt gegangen mit allen Konsequenzen.
Dein Glaube an Jesus Christus war das komplette Gegenteil zum römischen Götterglauben. Das einzelne menschliche Leben hatte in der Welt der Götter nur geringen Wert, es war ersetzbar. In der patriarchalen römischen Gesellschaft zählten vor allem männlicher Erfolg und Reichtum. Frauen waren rechtlich und sozial stark benachteiligt, sie wurden weniger respektiert als wertvolle Sklaven. Und dann sagt Jesus in den Evangelien: Ihr seid das Licht der Welt. Kinder, Frauen, Männer jede und jeder einzelne – ihr seid wertvoll, ihr seid Lichtgestalten. Gottgewollt – keine Spielbälle der Götterwelt.
Diesem Jesus Christus wolltest Du folgen!
Mich hat gewundert, dass beim Besuch der Grundschulklassen überhaupt nicht die Frage aufkam, warum Du mit Jesus – der ja schon tot war – verheiratet sein wolltest. Es war aber allen sofort klar, dass diese Übergriffigkeit des Statthalters, das Machtausüben über dich einer jungen, gebildeten Frau, total gemein, widerwärtig und strafbar ist. Erpressung! Und „wenn man den nicht heiraten will, dann muss man das auch nicht“ – Du wärst begeistert gewesen, über die Klarheit und den Gerechtigkeitssinn der Kinder.
Und wir haben uns gefreut, dass heute in einer Klasse so viele Religionen vertreten sind und auch Kinder, die an nichts glauben. Das ist ein großer Schatz, dass jeder seine Religion, seinen Glauben leben kann.
Eine andere Besucherin war auf „Besuch in der Heimat“ – und da durfte eine Stippvisite in der Kirche nicht fehlen. Du Agatha wurdest häufig als „Heimat“ bezeichnet. Und auch viele Besuchergruppen aus anderen Agatha-Gemeinden brachten ihre Beziehung zu Dir so auf den Punkt: Heimat – ein Ort, der verbunden ist mit Sicherheit, aufgehoben sein, sich zuhause fühlen.
Mit den Erzieherinnen der Kita hatte ich eine kurze Einführung in die Ausstellung und da sind wir über deine Reliquien „gestolpert“. In der Ausstellung waren ja 2 Reliquiare zu Gast, die jeweils deine Schädelknochen enthalten. Während für ein kleines Mädchen aus Klasse 1 feststand, dass sie ihren Eltern unbedingt die Knochen zeigen müsse, sind Reliquien sonst ein nicht so einfaches Thema. Eine Annäherung gelang uns über den Gedanken, dass heute vielfach der Wunsch geäußert wird, die Asche von lieben, verstorbenen Angehörigen in Schmuckstücken gepresst, ganz nahe bei sich zu tragen.
Während der Ausstellung habe ich so häufig mit den Kindern über Feuer gesprochen, dass ich mich an ein Feuer erinnert habe, das auf dem Hof ausgebrochen war, wo ich während meiner ersten Stelle wohnte. Feuer macht mir echt Angst.
Für das heutige Patrozinium haben wir einen „Agathazettel“ drucken lassen. Schon vor vielen Jahren erstellten Menschen „Agathazettel“ mit einem Bild von Dir und verschiedenen Gebeten: Vor großem Unheil und auch Brand, bewahre schützend Heim und Land.
Du Agatha warst eine Frau, die genau das gelebt hat, was Jesus im Evangelium sagt: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Durch dein Handeln und deine Worte, hast Du gezeigt, was dir wirklich wichtig ist: Mutig für die eigene Selbstbestimmung und für Werte eintreten, getragen von der Beziehung zu Jesus Christus.
Du bist für mich zu einer Begleiterin geworden. Eine, die wachrüttelt und sagt: Wenn es dir wichtig ist, dann sei mutig, kämpfe für deine Werte! Bei Jesus findest du eine unerschöpfliche Kraftquelle.
Zum Schluss ein lieber Gruß und ein Dankeschön – es hat mir viel Spaß gemacht, mich so intensiv mit Dir auseinanderzusetzen.
Deine Andrea
P.S. Hör mal, was ich über dich gelesen habe:
Die Figur der Agatha ist zeitlos, denn die Werte, die mit ihrer Geschichte verbunden sind, sind zeitlos. Sie kehrt immer dann in die Aktualität zurück, wenn die Gerechtigkeit eine Stimme braucht. Ihre Menschlichkeit betrifft uns alle.